BLEEP BLOOP Blog

2020-04-28

Durchgehört: Homo Deus

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Hörbücher gehören für mich schon seit Jahren zum Alltag. Mehr noch als Podcast, die mir häufig das Gefühl von “ich muss, sonst komme ich nicht hinterher” geben und dann machen sie mir keinen Spaß. Dann lieber ganz entschleunigt ein 17 Stunden langes Hörbuch. Meistens höre ich danach dann kurz von meinen Lieblingspodcast die letzten Folgen durch und bin dann erstmal gesättigt, weil schon wieder eine handvoll neuer Folgen erschienen sind.

Homo Deus von Yuval Noah Harari ist der Nachfolger von Sapiens, das ich direkt vor diesem hier hörte. Da hatte ich aber diesen Blog noch nicht. Ich gab Sapiens 5 Sterne auf GoodReads und es las (bzw hört, aber ich schreibe fortan immer lesen, weil ist doch quatsch) sich wie eine Alternative zu A Brief History of Everything mit mehr Fokus auf kulturelle Entwicklungen, als im Werk von Bill Bryson, das deutlich mehr Fokus auf die Wissenschaft legt. Sapiens ist also quasi die Zusammenfassung vom Anfang der Menschheitsgeschichte bis heute. Natürlich alles sehr populärwissenschaftlich.

Homo Deus stellt die Gegenwart und vor allem Zukunft in den Fokus und beginnt mit der Hypothese, dass der Mensch als Spezies daran arbeite unsterblich bzw. zu Göttern (Mensch 2.0, Homo Deus) zu werden und begründet das auch sehr nachvollziehbar. Es geht auch um sehr philosophische Themen, wie den vermeintlich Freien Willen des Menschen, ob der Mensch nicht auch nur ein Algorithmus sei. Was den Menschen vom Tier unterscheidet, ob es überhaupt einen relevanten Unterschied gibt und so weiter.

Es geht auch um die Entwicklung künstlicher Intelligenzen, was das mit uns als Spezies machen könnte - auch im Hinblick auf politische Systeme, ob wir eventuell unseren Nachfolger erschaffen usw.

Zum Ende wird eine neue Religion beschrieben, die Daten als heiliges Zentrum hat: den Dataismus. Wobei Harari zuvor den Begriff der Religion bereits deutlich breiter definiert hat, als lediglich den Glauben an einen oder mehrere Götter. Dataismus als Sammelbegriff für alles in die Richtung Internet of Things und Quantified Self, dem zu Grunde legt, dass wir bessere Entscheidungen von künstlichen Intelligenzen treffen lassen können, wenn wir mehr Daten über uns als Individuum und Gesellschaft haben.

Dabei schafft Harari es den Leser auf komplexe philosophische Themen so vorzubereiten, dass man nicht überrumpelt wird und den Gedankengängen gut folgen kann - ohne dabei dem Leser seine eigene Meinung aufzudrücken.

Es ist die Sorte Buch, die einem viel Wissen vermittelt, aber am Ende mit mehr Fragen und Gedanken zurücklässt, von denen man nicht dachte, dass es sie gibt. Man denkt auch in den Hörpausen nach, oder muss zwischendurch mal pausieren, um das Gesagte zu verarbeiten.

Manche Passagen waren etwas holprig, was vielleicht auch an der Übersetzung gelegen haben mag und ich schwanke zwischen einer 5 und 4 Sterne Bewertung. Weil ich bei einer 5 in der Regel nicht groß bei der Bewertung nachdenken muss, gibt es daher 4. Halbe Sterne gibt’s hier nicht.

Die Wahrscheinlichkeit ist deutlich größer als Null, dass ich Homo Deus irgendwann nochmal auf englisch lesen werde. Vielleicht gibt es dann die 5.

★★★★☆

Homo Deus: Eine Geschichte von Morgen - Yuval Noah Harari bei Amazon, ein Partnerlink.

© 2020 Nils Riedemann