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2021-01-26

personalmental health

Diagnose ADHS

Vor ein paar Tagen schrieb ich ja bereits, dass ich gerade im Diagnoseverfahren für eine ADHS bin. Das Ergebnis ist: “Nach Anamnese, Befund, Fragebögen und Testung liegt ein ADHS im Erwachsenenalter vor.”

Nun. Ich habe also eine ADHS.

Das mit dem unbestimmten Artikel davor fühlt sich weird an, aber so steht es immer in den Unterlagen - ergibt auch Sinn, weil das S für Störung steht. Aber was bedeutet das jetzt für mich? Ist das schlecht? Ist das gut? Wie geht’s weiter?

Ich empfinde das als positiv, da es bedeutet, dass ich für meine Probleme im Alltag gar nichts kann. Das sind Probleme, die die meisten gar nicht mitbekommen, mich aber schon mein ganzes Leben belasten. Und es bedeutet, dass die Probleme überhaupt nicht normal sind - also sich wirklich von denen “normaler” Menschen unterscheiden, die oft mit einem “Das kenne ich auch!” reagieren, wenn man über die Probleme spricht. Aus Scham geht man dann aber nicht ins Detail und aus Höflichkeit sagt man nicht “Ne, kennst du eben nicht!”, weil es ja möglicherweise wirklich doch so ist.

Es bedeutet vor allem aber auch, dass es ich jetzt Behandlungsmöglichkeiten habe. Dass ich langfristig durchsetzbare Wege finden kann, um mit den Problemen umzugehen.

Natürlich schwingt da ein bisschen “Wieso erst jetzt? Wieso hat das damals keiner gemerkt?!” mit, aber weil mir die Umstände bekannt sind, zu der sowas im Regelfall festgestellt wird, kann ich mir das ausreichend erklären.

Die Behandlung erfolgt zunächst mit Medikinet. Das Zeug aus dem Kraftklub-Song, genau. Ich nehme es jetzt seit ein paar Tagen und meine Erfahrung ist bisher durchweg positiv und definitiv auffällig, dass ich wirklich keinen Zweifel mehr an der Diagnose habe. Später kommt noch eine Verhaltenstherapie dazu, aber da ich mir über die Jahre viele der gängigen Methoden angeeignet habe, sieht meine Ärztin das eher ergänzend und optional.

Mehr oder weniger gezwungener Maßen werde ich mich mit dem Thema weiter beschäftigen und vielleicht weiter hier drüber schreiben. Mal schauen wie offen ich damit umgehen werde. Ein Symptom einer ADHS ist anscheinend auch, dass man zu oversharing neigt.

Sicherlich hast Du, ja Du - ich mag diese Form der Leser-Ansprache - einige Fragen. Schreib mir gerne per Mail (moin@nilsriedemann.de) und ich werde die Fragen sammeln und ggf. vielleicht in einem FAQ-Post beantworten.