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Inspiration Musik

Mit Würfeln Musik machen. Teil 1.

Ich mag Würfel. Einen habe ich fast immer Griffbereit, 3 liegen am Bildschirm und 7 weitere in einem Säckchen, das ich mir vom Schreibtisch aus greifen kann. Das Säckchen enthält eine Sammlung von RPG Würfeln, die ich von Lore Smyth geschenkt bekam.

Der Grund, warum ich sie immer Griffbereit habe ist, dass ich sie im Alltag als Entscheidungshilfe und Inspiration benutze. Ersteres werde ich in einem anderen Post beschreiben, um letzteres geht es in diesem. Wie der Titel schon sagt: wie ich damit Musik mache.

Dazu brauche ich im Grunde nur zwei Würfel: einen W12 und einen W6. Nein, man kann nicht 2 W6 benutzen. Warum nicht, musst du jetzt selbst herausfinden. Ist nicht so schwierig, wirklich, versprochen.

  • W12 legt die Root-Note, den Grund-Ton, fest. Also zB A
  • Mit einem W6 würfle ich 4 mal und erhalte eine harmonische Akkord Folge, basierend auf den Akkorden Major-Skala.

Da ich in der Musik vor allem englischsprachig unterwegs bin, benutze ich vor allem die englischen Begriffe. Also Major statt Dur, Minor statt Moll usw.

Jede Ton-Art hat 7 Grund Akkorde und werden mit römischen Zahlen gekennzeichnet. Für Major sind das I ii iii IV V vi vii˚. Groß bedeutet Major und klein bedeutet Minor. Die ersten 6 können in beliebiger Reihenfolge gespielt werden und klingen automatisch irgendwie harmonisch. Der Siebte, vii˚, ist ein sogenannter Diminished Akkord und klingt eher dissonant und muss wohl überlegt eingesetzt werden, damit er gut klingt. Und beim Würfeln geht es mir um eine harmonische Basis – also lasse ich den weg (und brauche keinen W7 organisieren)

Aber warum Major? Ist das nicht irgenwann langweilig immer nur fröhliche Musik zu machen? Nein, weil erst nach dem Würfeln so richtig klar wird, welche Ton-Art es eigentlich ist.

Aber warum funktioniert das überhaupt? Dazu ein kurzer Exkurs in die aufregende Welt der Musik-Theorie!

Exkurs in die Musik Theorie Grundlagen! Yay!

Eine der Grundlagen der Musik-Theroie ist zu wissen, dass C-Major und A-Minor aus den selben Noten besteht, nämlich den weissen Tasten.

Nächster Schritt ist dann, zu wissen, dass es die sogenannten Modes gibt und C-Major und A-Minor eigentlich C Ionian und A Aeolean heißen.

Kurz durchatmen und das versuchen zu verinnerlichen denn neben den beiden gibt es noch 5 weitere, die Du dir aber jetzt nicht merken musst: D-Dorian, E-Phrygian, F-Lydian, G-Mixolydian, B Locrian. Und das alles mit den selben Noten: den weissen Tasten C D E F G A B. Also obwohl die Ton-Arten alle anders heissen, bestehen sie aus den selben Noten.

Irgendwo in dem vorangegangenem Absatz hat sich hoffentlich die Frage in den Raum gestellt: wenn alles die selben Noten sind, warum heißen die dann Ton-Arten dann eigentlich anders? Vielleicht ist Dir aufgefallen, dass die jeweiligens Modes der Reihe nach mit der nächsten Note vorangestellt wurden. Also bei C-Major das C, bei Dorian das D, bei Lydian das F und so weiter. Das ist die Root-Note der jeweiligen Ton-Art. Und Root-Note bedeutet genau das, was der Name suggeriert: die Basis, die Eins, das Zentrum.

Das bedeutet wenn man verschiedene Akkorde mit weissen Tasten spielt, die besonders viele As oder eine Spannung zum Ton A aufbauen, dann ist die Ton-Art A-Minor und so weiter. Das ist alles.

Und nur bei Major – also Ionian – ist der 7. Akkord dimished.

Deswegen benutze ich einen W6 und jeweils Major, um meine Akkorde festzulegen. Es macht am Ende also keinen Unterschied für den Mode und ich gehe dem dissonanten Diminished aus dem Weg. Win Win!

Für meine harmonische Basis würfle ich also den W6 meistens 4 mal, um eine Akkord-Folge zu bekommen. Viele Songs bestehen aus so einer Abfolge und es gibt eine nicht geringe Wahrscheinlichkeit, dass ein Akkord zweimal vorkommt. Danach lege ich das Tempo fest – je nach dem, was sich in dem Moment für die Akkord-Folge gut anfühlt.

Danach probiere ich allerhand Dinge mit den Akkorden aus, um sie interessanter klingen zu lassen. Inversionen, Übergänge mit sus2 oder sus4, hier und da schmücken mit einer 7th oder 9th oben drauf, rhythmische Spielereien und ZACK ehe man sich versieht, hat man eine harmonische Basis für einen Song und kein leeres Blatt mehr und befindet sich bereits mitten im Songwriting Prozess.

In Teil 2 zeige ich dann ein Beispiel aus der Praxis.